Zen To Done: Warum ich kein Fan von ZTD bin


Wer sich mit Getting Things Done (GTD) beschäftigt, lernt früher oder später auch Zen To Done (ZTD) kennen. Lustigerweise konnte ich nie so recht was mit ZTD anfangen, wofür ich manchmal ganz schön komisch angeschaut werde.

Bisher hatte ich immer nur so ein dumpfes Gefühl, dass mir ZTD nicht schmeckt. Letztens hat mich dann Frau Momo noch mal auf ZTD aufmerksam gemacht:

@LeotasDe Vielleicht magst du dann auch Zen to Done […]“

Frau Momo, 09:33 – 2. Okt. 2015 auf Twitter

Es wurde Zeit, meine Gedanken zu ZTD zu Papier zu bringen.

GTD vs. ZTD

Um den Buchstabensalat etwas aufzudröseln: Getting Things Done (GTD)* wurde von David Allen entwickelt. Es ist ein System von Handlungsempfehlungen, um produktiv zu arbeiten und stressfrei die „Dinge geregelt zu bekommen“.

Leo Babauta hat einige Probleme an GTD identifiziert. Sein eigenes System, Zen To Done (ZTD)* (siehe auch meine Themenseite zu ZTD) soll diese Probleme lösen.

ZTDs Gründe gegen GTD

Mein Hauptproblem mit ZTD: Es ist aus der falschen Motivation heraus entstanden. Ich zeige einmal auf, warum die angeblichen Probleme aus meiner Sicht nicht gelten.

Zu viele Gewohnheitsänderungen auf einmal

ZTD kritisiert, dass GTD zu viele Gewohnheitsänderungen auf einmal verlangt.

Hier finde ich die Frage wichtig, wie genau einzelne Gewohnheiten voneinander abgegrenzt werden. Ja, GTD als Gesamtkonstrukt ist groß. Es gibt im Alltag aber nur wenige Handschläge & Gewohnheiten, die ich wegen GTD machen muss. Noch dazu schlägt ZTD zur Behebung des Problems „Zu viele Gewohnheitsänderungen auf einmal“ noch mehr Gewohnheitsänderungen vor. In ZTD werden die zwar schrittweise angegangen, aber trotzdem finde ich persönlich das Prinzip seltsam.

Zu wenig Handeln

ZTD wirft GTD vor, dass es bei GTD zu sehr um „Erfassen“ und „Durcharbeiten“ geht. Damit sind die Schritte gemeint, die man tun muss, wenn neue Aufgaben auftreten.

GTD ist für Menschen gedacht, die vor lauter Arbeit nicht mehr wissen, wohin und wo lang. Um hier den nötigen Überblick zu schaffen, muss man nun mal „Erfassen“ und „Durcharbeiten“. Und sobald der Überblick da ist, kann man in Ruhe Handeln.

Zu wenig Struktur

ZTD argumentiert, dass GTD zu wenig Struktur für einen einzelnen Tag vorgibt. So sagt ZTD unter anderem, dass man sich morgens ein paar wichtige Aufgaben für den Tag aufschreiben sollte. Diese „Brocken“ soll man im Laufe des Tages erledigen. GTD selbst macht nicht solche Vorgaben.

Das hat aber einen einfachen Grund: GTD existiert überhaupt erst, weil klassisches Zeitmanagement nicht funktioniert. Im klassischen Zeitmanagement reserviert man sich bestimmte Zeitabstände für bestimmte Aufgabenblöcke. Jeder, der das mal probiert hat, weiß, wie weit das an der Realität vorbei geht.

Ich sehe kaum einen Unterschied zwischen „morgens Brocken für den Tag vornehmen“ nach ZTD und „im Voraus Zeit für bestimmte Aufgaben reservieren“ nach dem klassischen Zeitmanagement.

Zu viel auf einmal

Nach ZTD unterscheidet GTD nicht genug zwischen Aufgaben. Jede Aufgabe steht gleich wichtig auf der Liste der nächsten Schritte.

Zum einen unterscheidet GTD zwischen „nächsten Schritte“ (= aktuelle To Dos) und „Wiedervorlage“ bzw. „Vielleicht Irgendwann“ (also später erledigen). GTD sieht also durchaus vor, dass man nicht jede Aufgabe sofort erledigen will.

Wer sich trotzdem von der Masse der Aufgaben erschlagen fühlt, hat sich schlicht zu viel vorgenommen. Dafür hat GTD drei einfache Tipps: Aufgabe erledigen, ablehnen oder die Aufgabenstellung ändern.

Zu wenig persönliche Ziele

ZTD kritisiert, dass GTD zu viel Wert auf die tägliche Arbeit legt. Dadurch gingen die persönlichen Ziele unter.

Genau dieser Fokus auf die tägliche Arbeit ist aber das entscheidende an GTD. Noch mehr persönliche Ziele, die man nicht erreichen kann, machen nur noch mehr Stress. GTD hilft dabei, den ganzen Kleinkram im täglichen Leben klein zu halten. Und gerade dadurch können wir kreativ arbeiten und eigenen Zielen folgen.

Positive Seiten von ZTD

Ich sehe natürlich auch positive Seiten an ZTD. So ist es nicht verkehrt, den eigenen Projekten Prioritäten zu geben und nicht alle gleichzeitig zu erledigen.

Zusätzlich ermöglicht ZTD eine andere Perspektive auf GTD. GTD ist im ursprünglichen Buch, das GTD erklärt, nicht sonderlich übersichtlich dargestellt. So fällt es schwer, das Gesamtkonstrukt GTD zu verstehen. Durch den Blick auf konkrete Prozesse (im ZTD-Sprech: Gewohnheiten) erleichtert ZTD vielen das Verständnis von GTD.

Mich überzeugt ZTD nicht

Alles in allem kann ich ZTD nicht als eigenständiges Framework ernst nehmen. Es löst kein Problem, das nicht durch GTD selbst gelöst wird.

Sven Meyer

Geschrieben von: Sven Meyer

Ich bin Sven Meyer und unterstütze Selbstständige, ihr Business auf gesunde Beine zu stellen. Die Kernzutaten: organisiert arbeiten, die richtige Technik und clevere Abläufe. So steht dem Wachstum nichts im Weg!

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