Verantwortung lässt sich nicht outsourcen


Immer mehr UnternehmerInnen setzen auf Outsourcing. Ein klassisches Beispiel dafür ist Fulfillment, wo ein Dienstleister die komplette Abwicklung im Verkauf übernimmt. Gerade für uns Kleine ist das interessant und bietet viele Vorteile. Zum Beispiel im Fall von Amazon FBA („Fulfillment by Amazon“): Amazon lagert und verkauft nicht nur, sondern erschließt gleichzeitig ganz neue Kunden.

Klassisches Fulfillment umfasst:

  • Bestellannahme der eingehenden Aufträge
  • Eingang, Lagerung und Versand der Ware
  • Rechnungsstellung, Mahnung und Inkasso

Outsourcing heißt nicht, dass du aus dem Schneider bist!

Eine Sache lässt sich nicht outsourcen: Die eigene Verantwortung als selbstständiger Unternehmer. Deine Kunden müssen sich auf dich, also auf dein Business, verlassen können. Darauf, dass

  • du deine Werbesprechen einhältst. Lieferzeiten, Rücknahmebedingungen und ähnliches dürfen nicht nur lose versprochen werden, sondern müssen vom Dienstleister auch eingehalten werden.
  • deine Produkte sicher sind. Erstaunlich viele Produkte haben bestimmte Anforderungen an Lagerung & Transport. Manche Produkte dürfen nur stehend oder liegend gelagert werden, andere Produkte sind sogar kühlpflichtig. Auch beim Fulfillment muss sichergestellt sein, dass der Dienstleister richtig mit den Produkten umgeht.
  • deine eingesetzten Partner die Kundendaten schützen. Gerade Zahlungsdaten werden immer wieder geklaut – das darf nicht passieren. Ebenso problematisch ist, wenn der Dienstleister die Daten ohne Einwilligung für eigene Zwecke oder Verkaufsmaßnahmen nutzt.

Aus Unternehmenssicht lässt es mich fassungslos zurück, wenn Selbstständige…

  • … den Dienstleister nicht kontrollieren à la “Mei, der wird sich schon melden, wenn was nicht stimmt“. Ärgerliches Verpacken, unnötig lange Lieferzeiten, unzuverlässige Zustellungen – all das reflektiert auf dein Business. Nicht nur auf die Kundenzufriedenheit, sondern ob der Kunde sich freut, dein Produkt zu bekommen oder wütend ist.
  • … sich zu sehr an einen Dienstleister binden. Das geschieht durch langfristig abgeschlossene Verträge oder ungünstige Kündigungsfristen. Vor allem ist aber die Abhängigkeit wichtig, wenn ein Hauptteil des Umsatzes über eine Quelle – etwa Amazon – kommt. Dann steht und fällt dein Business mit dem Dienstleister. Werden jetzt die Konditionen nachteiliger oder es kommt zu Schwierigkeiten, sind dir buchstäblich die Hände gebunden.
  • … ihre Daten beim Dienstleister versauern lassen. Häufig fehlen Schnittstellen oder sind vorhanden, werden aber nicht genutzt. Das bedeutet, dass die wichtigsten Zahlen, rund um Kundeninteresse, Kaufverhalten und Stornos, nicht zugänglich sind. Doch die brauchst du, um Potenziale zu erkennen und strategisch zu wachsen.

Ich finde übrigens, dass unsere Verantwortung noch weiter geht

Nicht genug damit, dass selbstständige UnternehmerInnen sich mit so einer meist unabsichtlichen Laissez-faire-Haltung selbst schaden: Ich finde, dass UnternehmerInnen, die Waren im Umlauf bringen, noch mehr Verantwortung tragen. Gerade, wenn sie wachsen wollen. Gerade, wenn sie aus fernen Ländern importieren. Gerade, wenn sie weder das Know-how noch die Ressourcen haben, um die Produktion wirklich zu kontrollieren.

Kurz gesagt:

  • Jeder von uns ist immer auch Verbraucher. Als Verbraucher fehlen uns die Mittel und die Zeit um jedes Produkt einzeln auf Herz und Nieren zu prüfen. Stiftung Warentest, Verbrauchervereine, Gesundheitsämter und wie sie alle heißen können nicht alles überwachen. Verbraucher müssen sich auf die Aussagen von Unternehmen verlassen können.
  • Im größeren Rahmen betrifft uns das als Gesellschaft. Wir gestalten unsere soziale und ökologische Umwelt gemeinsam. Ja, das sind große Worte – aber der Kern ist wichtig: Mit Outsourcing geben wir ein Stück weit aus der Hand, wie mit den beteiligten Menschen und Ressourcen gearbeitet wird.

Es ist deine Firma! Lagere aus – aber behalte im Griff!

Dienstleister können viele Arbeitsschnitte übernehmen, ohne dass die Kosten explodieren. So ist Outsourcing ein interessanter Wachstumspfad für kleine Unternehmen. Doch es darf nicht dabei bleiben, die Arbeit auf operativer Ebene abzugeben und sich auf strategischer Ebene nicht weiter zu kümmern.

Wann immer du über andere Dienstleister – ob im In- oder Ausland – Waren oder Leistungen beziehst, sind das verlängerte Arme deines Business. Sie  nehmen dich in die Pflicht.

Sven Meyer

Geschrieben von: Sven Meyer

Ich bin Sven Meyer und unterstütze Selbstständige, ihr Business auf gesunde Beine zu stellen. Die Kernzutaten: organisiert arbeiten, die richtige Technik und clevere Abläufe. So steht dem Wachstum nichts im Weg!

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