Was heißt „glücklich selbstständig“ für mich?


Glück, Erfolg, Freiheit – es gibt so viele abstrakte Begriffe rund um die Selbstständigkeit. Doch im Alltag hängen da auch einige Emotionen dran: Wer will nicht gerne glücklich selbstständig sein? Erfolgreich sein? Frei sein?

Ich glaube, dass viele Selbstständige irgendwie im Alltagstrott festhängen. Gar nicht mehr in sich hineinhorchen, sich bewusstmachen: Was macht mich eigentlich glücklich?

Das finde ich total schade, denn in der Selbstständigkeit steckt – wie im Leben selbst – so viel mehr.

Nichts gegen den Alltagstrott!

Das mit dem Alltagstrott ist so eine Sache. Ohne geht es nicht: Wir können ja nicht jeden Tag das Rad neu erfinden. Gerade unsere Routinen, unsere geübten Abläufe – sprich unsere Prozesse -, machen unsere Leistung effizient. Doch dabei bleibt häufig die Abwechslung auf der Strecke. Da wird dann gerade jahrelange Erfahrung oft zum Stolperstein: Wer (fast) alles schon mal gesehen und bewältigt hat, den rüttelt im Alltag nichts mehr auf. Je sattelfester, desto Autopilot.

Das hat viele Vorteile, doch was wir nicht übersehen dürfen: Dieser Alltagstrott schleift leider mit der Zeit unsere Emotionen ab. Unter anderem bleiben Glücksgefühle auf der Strecke.

Was mich glücklich selbstständig macht

Selbstständige arbeiten meistens besonders viel. Besonders im Aufbau und wenn das Business wachsen soll – da nehme ich mich selbst gar nicht aus! Gerade darum ist mir persönlich besonders wichtig, dass meine Arbeitszeit nicht nur finanziell zu meinem Leben beiträgt. Auch wenn eine gewisse Abgrenzung zwischen privat und Beruf sinnvoll ist, mag ich es, wenn die Arbeit nicht mein Leben „unterbricht“, sondern natürlicher Teil davon ist. Ich habe für mich herausgefunden, dass sich das in meinem Bedürfnis nach Freiheit wiederspiegelt.

Jetzt ist Freiheit, wie eingangs erwähnt, mindestens ein so abstrakter Begriff wie „Glück“. Deshalb habe ich mir angeschaut, welche Facetten von Freiheit mir im Alltag besonders am Herzen liegen:

Freiheit im Tagesablauf

Mein Alltag enthält wenige feste Termine. Statt vieler, kleiner Telefonate plane ich einzelne, größere Termine. Ich gestalte meinen Alltag so, dass ich vor allem wichtige Aufgaben, aber nicht dringende Aufgaben mit echten Deadlines vor mir habe. So kann ich meinen Tagesablauf Tag für Tag recht individuell gestalten. Je nach Stimmung, anstehenden Aufgaben oder Wetter. Ich liebe es, morgens ohne Wecker ausschlafen zu können. Dass ich dann abends auch mal länger arbeiten muss, stört mich nicht.

Freiheit in den Aufgaben

Klar, die eigenen Aufgaben und die eigene Tätigkeit muss natürlich zum Geschäft passen. Aber im Grunde kann ich mir viele Aufgaben und Arbeiten selbst aussuchen. Ich kann also selbst bestimmen, womit ich den Großteil meiner Zeit verbringen will. Das kann und darf sich im Laufe der Zeit auch ändern. In Zukunft möchte ich beispielsweise nur noch eigene Bilder im Blog benutzen. Ich muss also entweder fotografieren, am Computer eigene Grafiken gestalten oder zeichnen. Meine Freiheit: Ich kann mir selbst aussuchen, welchen Weg (oder welche Wege) ich davon wähle und welche Aufgaben daraus entstehen.

Freiheit bei den Menschen

Meiner Erfahrung nach passiert es als Selbstständiger ganz natürlich, dass sich bei Geschäftsbeziehungen Menschen finden, die gut zusammenarbeiten und die gut miteinander klarkommen. Wenn die Chemie nicht stimmt, ist die Zusammenarbeit meist nicht sehr erfolgreich und legt sich früher oder später auf Eis. Alles in allem habe ich viel Einfluss darauf, mit wem ich meinen Tag verbringen möchte. Das fängt bei Bürogemeinschaften, Co-Working oder Einzelarbeitsplätzen an und geht bis zur Auswahl von Geschäftspartnern.

Freiheit beim Arbeitsplatz

Es klingt immer so banal, ist aber deshalb nicht unwichtig: Die unmittelbare Arbeitsumgebung und der physische Arbeitsplatz haben einen großen Einfluss auf einen selbst. Als Selbstständiger kann ich mir meinen Arbeitsplatz selbst gestalten. Es gibt nicht das eine Bürozimmer, das für meine Tätigkeit von anderen geplant und eingerichtet wurde. Ich kann meinen Laptop mal im Home-Office, mal im Büro, mal beim Kunden oder mal unterwegs aufschlagen und arbeiten. Oder mich einfach mal auf den Boden setzen und mit dem Laptop auf dem Wohnzimmertisch arbeiten.

Vielleicht denkt jetzt der eine oder andere „Ja, aber … wie frei ist Selbstständigkeit wirklich?“ Oder eher: Wie abhängig ist das eigene Geschäft von anderen? Wie viel Einfluss und Gestaltungsfreiheiten gibt es wirklich? Klar gibt es immer Formalitäten, Zwänge oder Arbeiten, die einfach getan werden müssen. Über allem schwebt das Damokles-Schwert „Gewinnerzielung“. Unten drunter das Fundament: Finanzierung, Rechtsform, Kompetenzen, Kundenstamm, …

Da lässt sich lange drüber diskutieren. Aus meiner Sicht sind das alles Einflussfaktoren, auf die ich aber reagieren kann. Ich habe die Freiheit, zwischen verschiedenen Reaktionen auszuwählen. Ganz davon abgesehen, dass ich unverbesserlicher Optimist bin. ;)

Was heißt Glück für dich?

Ich finde, als Selbstständiger ist es essenziell, sich selbst zu kennen. Das schlägt sich auf so vielen Ebenen durch. Besonders als kleinere Selbstständige, wo wir selbst unser Business sind. Nicht nur auf geschäftlicher Ebene, sondern auch für uns als Mensch.

Glücklich selbstständig zu sein heißt nicht, den ganzen Tag vor Freude strahlend durch die Gegend zu hüpfen oder eine tiefe, fast schon spirituelle Dankbarkeit für das eigene Leben zu empfinden. Aber eine gesunde Portion Glücksgefühl tut einfach unheimlich gut, motiviert und strahlt auch auf unser Geschäft aus. Nicht zuletzt ist es gleichzeitig ein sinnvoller Wegweiser für strategische Entscheidungen.

Was ist für dich normal? Alltagstrott? Hast du noch Glücksgefühle gegenüber deiner Selbstständigkeit? Was genau macht dich glücklich in deiner Selbstständigkeit, abseits von abstrakten Konzepten? Ich freue mich auf deinen Kommentar – oder nimm vielleicht an der Blogparade von Selbständig im Netz teil.

Sven Meyer

Über den Autor Sven Meyer

Ich bin Sven Meyer und unterstütze Selbstständige, ihr Business auf gesunde Beine zu stellen. Die Kernzutaten: organisiert arbeiten, die richtige Technik und clevere Abläufe. So steht dem Wachstum nichts im Weg!


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